Carolina Camilla Kreusch
Felix Weinold, 2018

Es sitzt was an der Wand

Es gibt neben der biologischen Evolution noch eine andere. Deren Ursuppe besteht aus einfachen Alltagsmaterialien, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich sind: MDF-Platten, Wellpappe, Schläuche aller Art, Klebeband, Lacke, Heißkleber. Aus all dem entstanden nach einiger Gärung zunächst kleinste Wesen, die vielleicht auch wieder zerfielen, bis sich ganz allmählich zarte neue Gebilde aus dem Meer von Material herausbildeten und begannen, an der Fußleiste entlangzulaufen und an der Wand hochzuklettern. Einige fingen sofort an, sich zu teilen und zu vermehren, andere wuchsen nur, bildeten Beulen und Bäuche, geheimnisvolle Höhlungen und Kammern, Antennen und Tentakeln aus. Wieder andere verleibten sich Objekte aus der Wohnwelt ein, Teile von Kleinmöbeln, paarten sich mit Elektrogeräten und Plasikutensilien.

Carolina Camilla Kreusch behauptet, die Objekte geschaffen zu haben. Wir wagen das zu bezweifeln, vermuten eher: sie findet sie von Zeit zu Zeit morgens in ihrem Atelier. Die Selbstverständlichkeit und Stimmigkeit, mit der sich die Materialien zusammengefunden haben, deutet auf einen evolutionären Prozess hin. Man hat das Gefühl: das ist alles notwendigerweise so, es ist überlebenswichtig. Die Künstlerin mußte den Kreaturen am Ende nur noch Namen geben: Lobstershow; ohne Titel aber mit Schlauch; Glotze; Psychokrill; Neuronerv.

Die Umständlichkeit
der Umgebung